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Interview vom 14. Feber 2008   (2008-02-14)
Der 34jährige gebürtige Oberösterreicher Sascha Plöderl und sein IPZ-Team waren in der heimischen Rallye-Challenge 2007 die große Überraschung. Mit dem Motto des einstig so erfolgreichen römischen Feldherren Gaius Julius Cäsar („veni – vidi –vici“) kam der vormalige Vizestaatsmeister auf der Rundstrecke und Tourenwagen-WM-Teilnehmer von Anfang an auch auf der heimischen Rallyepiste zurecht : Er kam, sah und siegte.

Heuer allerdings will der „Speedy“, dessen Herr Vater schon in den 60er Jahren für flotte Zeiten bei Berg- & Rundstreckenrennen sorgte und dessen 6jähriger Sohn Nico im Bambini-2-Takt-Kart schon jetzt die nächste motorsportliche Familienzukunft darstellt, gleich zwei Stufen in der Karriereleiter überspringen : IPZ-Racing-Aushängeschild Plöderl und das Rallyeteam Grabner fanden im Mitropa Cup 2008 das nächste Turnierfeld für mögliche Heldentaten. Das Budget für zumindest 6 von insgesamt 8 Veranstaltungen ist im Kasten, Anfang März wird im bayrischen Oberland erstmals Klartext gesprochen. Wir haben uns mit dem Sonnyboy von Querdrift und Vollgas hinsichtlich seiner Erwartungen kurz unterhalten und festgestellt : Die „Rallye-Europameisterschaft für Privatfahrer“ ist heuer das Schulzimmer für den Wunschtraum „WM-Lauf-Start“ anno 2012.

Anno 2007 gab’s für Plöderl mit verschiedenen Kopiloten die Austrian Rallye-Challenge-Erfolge. Heuer will man allerdings im Mitropa-Cup mitfighten. Sind da die Erwartungen vor der großen Aufgabe zurückhaltend und bescheiden geblieben ?


“Es gibt Insider, die meinen, der Sprung von der ARC zum Mitropa-Cup waren auf der Leiter nach oben 3 Sprossen auf einmal. Aber in Gesprächen mit einigen der heimischen Top-Stars wurde stets festgestellt: Nur wenn’st international fährst, lernst wirklich etwas ! Fazit : Sprung ins kalte Wasser.“

Also : Welche Erwartungen hat Sascha Plöderl hinsichtlich der neuen Rallye-Saison ?

“Ich habe zur Zeit keine Vorstellungen, was dabei rausschauen könnte. Mir ist wichtig, für Ereignisse in den nächsten Jahren vor allem Erfahrung zu sammeln. Baumschlager, Stohl und Konsorten haben ja auch einst diesen Weg beschritten : Wenn man als Rallyefahrer gut werden will, raus in die Fremde !“

Wie viele Rallies stehen heuer auf dem Programm ?

“Der Mitropa-Cup besteht aus 8 Veranstaltungen, also jeweils zwei in Slowenien, in Italien, in Deutschland und in Österreich. Ich habe derzeit ein Fix-Budget für 6 Rallies, muss also Abstriche machen. Hoffe jedoch, dass ich mit ein wenig Glück 7 Rallies werden fahren können. Schwerpunkt dabei sind jene im benachbarten Ausland !“

Warum gerade die im Ausland ?

“Das hat mit der Punktevergabe im Mitropacup zu tun, denn im Ausland gibt’s mehr Punkte für die selbe Platzierung, als zuhause, dazu kommt, dass das Startgeld bestens unterstützt ist, also auch eine Kostenfrage.“

Wie schätzt du die Konkurrenz ein ?

“Der Mitropa-Cup war für mich der beste und sicherlich auch aus finanzieller Sicht der machbarste Weg, regelmäßig zu fahren und zu lernen, mich mit den starken Gegnern zu messen. Denn die Kaliber, gegen die ich jetzt antreten werden, sind nicht nur die Herren der heimischen Chefpartie, sondern auch Größen wie Gassner, Tosovsky, Fornasiero, Wallenwein und Co.“

Keine Angst, vor den Top-Kapazundis total „verblasen“ zu werden ?

“Nein, denn ich muss ja zu Beginn der Saison nicht sofort beweisen, dass ich die Herren der Vollgas-Creme zu ärgern gedenke. Bei mir steht ja bis Jahresmitte der Lernfaktor an oberster Stelle. Andererseits habe ich schon einmal – im Vorjahr bei der ARC – bewiesen, dass ich da gegen Leute angetreten bin, die wesentlich mehr Rallye-Erfahrung hatten wie ich, g’wonnen hab’ dann jedoch ich die Challenge ! Dieses Kunststück wird’s 2008 nicht geben, aber mit Köpfchen zu fahren, wird mir auch heuer wieder helfen, am Ende des Jahres irgendwo zwischen Rang 5 und 7 zu landen ! Wir hoffen, unsere Glücks- & Erfolgssträhne von 2007 verlängern zu können !“

Wer ist „wir“ ?

Nun: Rallyesport ist ein Teamsport ! Das läuft wie in einem Getriebe: Viele Zahnradln müssen bestens funktionieren. Wir: Das heißt also Sponsoren (IPZ, Drexler Motorsport, Stiefel workshop, Königseder etc.), das heißt Christian und Markus, meine Mechaniker, Bernhard Schaden und Gattin, mein Pressechef und mein neuer Kopilot.“

Schon wieder ein neuer Kopilot ?

“Ja, mein neuer heißt Christoph Maierböck, alias „Jumbo“. Denn kenn’ ich seit meinen allerersten Bemühungen, im Rallye-Sport Fuß zu fassen. Denn der „Jumbo“ war bei der Schulung vom TRT aus Tragwein mein Ausbilder. Wir verstehen uns privat sehr gut und ich habe das Gefühl, wir können gegen Ende Saison, wenn sich das ganze Werkel eingespielt hat, für sehr gute SP-Zeiten sorgen.“

Warum wirst Du nur einmal in Österreich starten und streichst dafür nicht einen Lauf im Ausland ?

“Wie schon erwähnt : Wegen des Punkteschemas. Im Ausland erhalte ich bei gleicher Platzierung mehr Punkte. Daß ich jetzt am Anfang der Saison im Lavanttal starten werde, hängt mit jener Standortbestimmung zusammen, der ich mich unterwerfe: Jetzt, zu Beginn meiner zweiten Rallye-Saison möchte ich im Ranking der Top- Kapazundis aus Österreich wissen, wo ich wirklich stehe. Wie weit sind Baumschlager und Co zeitlich vor mir, am Ende der Saison könnte ich – vorausgesetzt ich kam ohne große Schäden über die Saison – noch einmal testen, inwieweit ich mich gegenüber Kovar, Keferböck und Co in den SP-Zeiten verbessert habe. Jetzt bin ich sicher, dass mit die Genannten noch kräftig über den Rüssel sausen ! Aber: Ich bin ein Sportler und Wettbewerbsmensch. Der auch in seiner Karriere mit Anstand gelernt hat, ab und an zu verlieren !“

Mit welchen Auto wird bei der Oberland-Rallye in Bayern im März gestartet ?

“Ich hoffe, dass ich gleich mit dem extra für mich bei Grabner-Motorsport aufgebauten EVO IX antreten werden können. Alle notwendigen Teile sind seit Anfang Feber da, jetzt wird in Tag- & Nachtschichten gewerkt. Dann getestet. Sollte der Neuner Mucken machen, haben wir ja noch einen EVO VI. Der war ursprünglich für den Saisonstart auserkoren !“

Wie schaut’s denn mit den Streckenkenntnissen aus ?

“Gibt’s keine. Fakt ist : Ich werde zwei Tage zuvor anreisen, zwei bis dreimal besichtigen fahren, weil ich aus dem Vorjahr weiß, dass ich trotz wenig Training schnell sein kann. Auch wenn’s immer wieder „Hoppalas“ gibt. Aber ich habe trotz Ausritten selten Schäden davon getragen, weil ich nur dort stellenweise über mein Können fahre, wo ich weiß, es kann nur wenig passieren. Wie im Vorjahr so ist auch 2008 mein Budget beschränkt. Heißt : Möglichst wenig Crashes zu machen.“

Im Rundstreckenrennsport konntest Du dich in den Auslandsjahren immer auf einen erfahreren Teamkollegen verlassen. Jetzt bist auf Dich alleine gestellt. Probleme damit ?

“Iwo ! Rallye zu fahren heißt ja stets zu improvisieren. Auf der Rundstrecke gibt’s fixe Regeln, die Streckenverhältnisse ändern sich kaum. Bei der Rallye ist – auch wenn Du zum 3. Mal über die gleiche SP bretterst, immer alles anders. Im Rallyesport zählt daher die Erfahrung, die du in den Jahren sammelst oft ebenso viel, wie dein Talent. Auch der Griff zu den Pneus ist auf der Rundstrecke leichter.“

Sind die Reifen auch heuer wieder mit entscheidend für die Ergebnisse ?

“Und wie ! Wir haben vorerst 80 Stück Reifen lagernd, leider Pneus von drei verschiedenen Marken (Micheline, Pirelli, Matador), jedoch sind alle nagelneu. Aber eben nicht das Geld, vor Saisonstart bereits Testfahrten zu unternehmen, um Spreu vom Weizen zu trennen. Da wir also hinsichtlich Geld nicht aus dem Vollen schöpfen können, müssen wir uns mit dem durchg’fretten, was wir haben : Also Kompromisse schließen und clever improvisieren !“

Gibt’s wünsche für die Saison 2008 ?

“Natürlich : Wünschen würde ich mir, bei einem der Läufe bester Österreicher zu werden, wo auch immer ich dann platziert wäre. Aber in der Praxis wäre am Ende des Jahres ein Rang zwischen 5 und 7 möglich. Vergessen wir nicht: Der Mitropa-Cup ist ja keine Altherren-Gaudi „Da haben ja Kapazundis wie Sandro Munari, Raphaele Pinto, Franz Wittmann, Franco Ceccato, die Deutschen Top-Drifter Armin Schwarz, Weber. Mossleitner und Wetzelsberger schon zugeschlagen, Leute also, die teilweise auch die WM mitbestimmten! Und auch anno 2008 wird es keine Altherren-Tarockrunde geben !“
Plöderl & Mairböck
Redakteur: Claus-Peter Pozdnik
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